Wie kommt man zur türkischen Küche? Wie findet
man den Zugang zur mediterranen Kochkunst? Heute ist dies kaum mehr
eine ernstzunehmende Frage, doch in den 70er Jahren waren türkische
Etablissements noch Geheimtips linker Studenten, obwohl die
türkische Gastronomie erst auf Stehimbiss-Niveau weilte. Ich selbst
kam nicht als Tourist mit den osmanischen Gaumenfreuden in Berührung
(Ende der 70er Jahre versank die Türkei in bürgerkriegsähnlichen
Wirren und erst Anfang der 80er Jahre begann ein zaghafter
touristischer Boom), sondern wurde von meiner Frau Ayten, die
maßgeblich für die Inhalte dieses Buches verantwortlich zeichnet,
auf die "anderen" Eß- und Kochgewohnheiten aufmerksam gemacht. Ganz
am Anfang stand ein Spinatgericht, das ich selbstverständlich
niemandem vorenthalten möchte.
Benötigt werden:
- ein Kilo Spinat
- drei Zwiebeln
- ein Löffel Tomatenmark
- 250 g Hackfleisch vom Rind
- drei Eßlöffel Reis
- Salz und Pfeffer
- ein bis zwei Tassen Rindfleischbrühe
Daß Spinat gründlich und mehrmals gewaschen werden muß,
brauche ich nicht weiter auszuführen. Anschließend sollte man die
dicken Stiele entfernen und den Spinat grob hacken. Nun gebe man
Butter oder Margarine in einen recht großen Topf, brate darin die
kleingehackten Zwiebeln an, füge das Rindergehackte hinzu und lasse
dies einige Minuten anbraten. Nun kommt, bei kleiner Flamme, der
Löffel Tomatenmark ins Spiel, bzw. in den Topf. Alles kräftig
verrühren und weitere zwei bis drei Minuten köcheln lassen. Jetzt
den Spinat zugeben und auch diesen mit der
Hackfleisch-Zwiebel-Tomatenmark-Mischung verrühren und anbraten.
Nach wenigen Minuten den Reis obenauf geben und mit der Brühe
auffüllen. Während des Kochvorganges (der Reis muß weich werden, die
Brühe braucht deshalb aber nicht gänzlich verkochen) zerdrücke man
ein bis zwei Knoblauchzehen in Salz und vermische dies mit einer
Joghurt.
Denn dies ist der Kniff, der mich Mitteleuropäer erstmals
verblüffte, mich aber gleichzeitig ein ganzes Stück in Richtung
türkische Küche voranschob. Denn was hatte ich mir beim Stichwort
"Spinat" schon gedacht? Erinnerungen tauchten auf an
Kindheitserlebnisse mit einer labberigen grünen Masse. Oder, man
gedachte des heimischen Rezeptes mit Eiern, Spinat und
Kartoffelpüree.
Dies hier war zunächst einmal etwas ganz anderes, zumal nach
dem Servieren auch noch die Knoblauch-Joghurt-Soße darübergegeben
wurde. Einfach köstlich. Erst sehr viel später (einige Hundert
Rezepte später) ist mir klargeworden, daß es bei der Bearbeitung von
Gemüsen im mediterranen Bereich allgemeine Praktiken gibt, die
jedoch in der Türkei noch eine spezielle Ergänzung
erfahren.